Stein- und Terrakotta-Adoption
Nordfassade der Bauakademie aus dem "Digitalen Modell" Terrakotta-Reliefs aus den Portalen

Stein- und Terrakotta-Adoption

Die Bauakademie, der erste profane Rohziegelbau Preußens, war mit feinsten Ziegeln bekleidet. Den Schmuck bildeten kunstvolle Terrakottareliefs, die unter den Fenstern und am Gewände sowie um die Portale angebracht waren.

Das ursprüngliche Ziegelmaterial für die Schinkelsche Bauaka­demie war von besonders hoher Qualität. Die verwendeten Me­thoden bei der Tonaufbereitung verfeinerten den Stolpener und Rathenower Ton zu einer qualitätsvollen Grundmasse. Nach dem Guss wurden die Steine im ‘ledernen’ Zustand rechtwinklig geschnitten. Die Steine, die im Sichtbereich zum Einsatz kamen, wurden zusätzlich glatt gehobelt.

Die Bauakademie hatte an allen Fassaden den gleichen Bau­schmuck. Die figürlichen Reliefs der Fensterbrüstungen im
1. Obergeschoss zeigen in jeweils drei einander zugeordneten Bildern „Momente aus der Entwicklungsgeschichte der Bau­kunst“, wie Schinkel es in seiner „Sammlung architektonischer Entwürfe“ nannte. Je acht Terrakottengruppen à drei Darstel­lungen einer Fassadenseite ergeben bei Berücksichtigung der beiden Achsen der Musterfassade 18 weitere figürliche Terra­kottareliefs, die nachgebildet werden müssen. Die weiteren Terrakottareliefs für die Fassaden werden als Duplikate erstellt.

Dazu kommen u.a. die Terrakotta der Fenstergewände (Akanthus­blätter, Kornähren, Palmblätter), die Köpfe der Fensterhermen, ornamentale Fensterbrüstungsplatten im 2. Obergeschoss sowie die Figuren und Ornamente für die Bogenfelder über den Fenstern im  1. und 2. Obergeschoss.

Die meisten Terrakotten wurden seinerzeit beim Abriss der Bauaka­demie ausgebaut und gerettet; sie befinden sich überwiegend in musealem Besitz. Nach diesen Originalen werden die Nachschöp­fungen für den Wiederaufbau der Bauakademie angefertigt.

Das linke Portal ist noch im Original zu sehen. Es wurde 1969 zum zwanzigsten Jahrestag der DDR von Karl-Günter Möpert in die ehemalige Schinkelklause nahe der Friedrichswerderschen Kirche eingebaut. Eine Rückkehr an die ehemalige Stelle ist bei einem Wiederaufbau der Bauakademie zu planen. Für den Wiederaufbau müssen ferner die Reliefplatten des rechten Portals nachgebildet werden.

Die Nachschöpfung einer Terrakotta ist außerordentlich schwierig. Nur ein kleiner Kreis von zeitgenössischen Bildhauern ist in der Lage, sie nachzubilden, also nach dem Original neu zu formen. Diese Arbeit gehört heute nicht mehr zum Kanon der Bildhauer­ausbildung.

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